Zwischen Nähmaschinen und Nervenzusammenbrüchen

Zwischen Nähmaschinen und Nervenzusammenbrüchen

Mein Leben mit Depressionen

Es ist etwa 4 Uhr morgens und ich wache schweißgebadet auf. Innerhalb weniger Sekunden schlägt meine Hitze zu einem fürchterlichen frieren um. Ich starre an die Decke und denke an nichts, fühle nichts. Und ehe ich realisiere was für Aufgaben ich heute bewältigen muss, klingelt schon mein Wecker. Ich schaue mit glasigen Augen auf mein Display. 6 Uhr morgens. Das ich nicht mehr in tränen ausbreche ist das höchste der Gefühle. Mein Körper steht regelrecht in Flammen, mir ist gleichzeitig heiß, kalt, übel und alles tut weh. Ich habe gelernt diesen zustand zu akzeptieren. Ich ringe nach Luft bis mich die grelle Leute an der Decke aus meinem Koma reißt.

In meinem Kopf kreisen nun zwei Gedanken: entweder ich reiß mich zusammen oder ich bleibe liegen. Und immer öfter wähle ich den leichteren Weg. Dieser lässt mich für etwa 2 Stunden im ruhigen einfach nur da liegen… bis die Gedanken in meinem Kopf die Herrschaft ergreifen und mir einreden, dass ich ein Mensch bin der es nicht Wert ist einen Platz auf dieser Welt zu haben. Nicht immer gelingt es mir dieses Gefühl zu bewältigen.

Oft habe ich darüber nachgedacht einfach zu gehen. Aber dann fällt mir ein, dass es da etwas gibt das mich Stolz macht, etwas das ich nur für mich habe, etwas in dem ich richtig gut bin. Sobald eine der Nähmaschinen rattert oder meine Schere durch den Stoff gleitet, fühl ich mich leichter, alles ist einfacher und meine Probleme finden Lösungen. Diese Gefühl hält leider nur so lange an, wie ich mich in meinem Nähzimmer aufhalte und kreativ bin.

Im Büro habe ich selten dieses Gefühl. Oft starre ich auf meine Aufgaben und merke, dass egal was ich versuche alles vor mir verschwimmt. Dann will ich am liebsten schreien. Es geht doch sonst auch! Früher ging es sonst auch! Alles ging sonst auch!

Heute bekomm ich Panik in großen Menschenmassen, heute kommen mir so schnell die tränen, heute ist mir vieles unwichtig geworden, heute fällt mir lachen so viel schwerer. Aber heute kann ich nähen.

Depression ist so viel mehr

Wer heute sagt, dass er sich „depri“ fühlt meint damit keine Depression. Man fühlt sich schließlich nicht „krebsig“ wenn einem richtig richtig schlecht ist oder einem etwas weh tut.

Das traurige Gefühl ist nur ein sehr kleiner Teil dieser Erkrankung. Und damit will ich ganz offen umgehen. Viele wissen gar nicht, was eine Depression ist, wie sie sich äußert oder wie man sie erkennt. Ich möchte darauf aufmerksam machen, offen durch die Welt zu gehen und Hilferufe wahrzunehmen.

Wenn jemand sagt ihm sei „alles zu viel“, er „nicht mehr weiter weiß“ oder sagt das er „einfach nicht mehr kann“, dann hört genau hin. Fragt wie die betroffene Person sich fühlt und ob ihr vielleicht helfen könnt, Ratschläge wie „das wird schon“ dürfen keineswegs fallen. Dadurch fühlen sich Betroffene noch einsamer und missverstandener.

Depression beginnt oft als körperlicher Schmerz, beispielsweise Magenprobleme, Rückenschmerzen oder Migräne. Dazu gesellen sich Schlafprobleme und Müdigkeit. Es folgen Erschöpfung bis hin zum nicht mehr fortführen eines geregelten Alltags, aufräumen, kochen, selbst aufs Klo gehen wird dann zu einer unüberwindbaren Herausforderung.

Falls es dir so ähnlich ergeht oder du jemanden kennst der ein ähnliches Verhalten zeigt, solltest du nicht warten dir Hilfe zu suchen!

Kommentare: 2

  1. Veronika sagt:

    Kurz und knackig zusammen gefasst.👍

  2. Sprenger sagt:

    Liebe Debby,
    du bist ein Mensch, der wertvoll, einzigartig und wichtig ist. Dich gibt es nur einmal auf dieser Welt.
    Gott liebt Dich, du bist wertvoll in seinen Augen und er schätzt dich wert. Und es gibt bestimmt einige Menschen, die dich lieben und denen du wichtig bist. Und selbstverständlich hast du einen Platz in dieser Welt. Du gehörst in diese Welt und zu dieser Welt, bist ein Mitglied der Menschheit, gehörst dazu.
    Du mußt dir deinen Platz in der Welt nicht erkämpfen.

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